Bald hältst du eins in der Hand, eins dieser Halbjahreszeugnisse! Grund zur Freude oder Anlass zu Frust? Ob das Ding einen Nutzen hat, das liegt ganz bei dir! Bevor du dir eine Strafpredigt bei deinen Eltern abholst oder eine finanzielle Belohnung für hervorragende Noten bei deinen Großeltern einheimst, mach dir Folgendes klar:
Es ist dein Zeugnis! Deine Lernleistung wurde von deinen Lehrkräften beurteilt. Diese Beurteilung ist in erster Linie für dich persönlich gedacht!
Bevor du also das Papier wütend in die Ecke pfefferst, atme tief durch, entspanne dich und wage einen genaueren Blick. Geh die einzelnen Fächer und Noten nacheinander durch. Bei „guten“ Noten hältst du inne, klopfst dir dreimal auf die Schulter und sagst laut zu dir: „Das habe ich gut gemacht!“
Bei allen anderen Fächern beantwortest du der Reihe nach die Fragen 1 bis 5. Sie betreffen deinen persönlichen Anteil am Zustandekommen der jeweiligen Note.
1. Frage: Wie zufrieden bin ich mit meiner bisherigen Lernleistung im Fach XY?
Stell dir dazu eine Skala von 1 bis 10 vor und ordne deine Leistung ein. 1 bedeutet: total unzufrieden, 10 bedeutet: total zufrieden. (Zu deiner Lernleistung zählen: Anstrengungsbereitschaft, Motivation, Konzentration, Ausdauer, Lernstrategien usw.)
2. Frage: Welche Veränderungen möchte ich im kommenden Halbjahr im Fach XY angehen?
An dieser Stelle kannst du Ziele für einzelne Schulfächer oder auch für dein allgemeines Lernverhalten formulieren. Achte darauf, dass du ein Ziel wählst, das zu 100 % unter deiner Kontrolle liegt (die Zeugnisnote gehört nicht dazu, denn die legt deine Lehrkraft fest!). Außerdem ist die Wirkung von positiv formulierten Zielen (z. B. „Ich bin im Unterricht aufmerksam“) besser als die von negativen Zielen, wie „Ich will nicht schon wieder quatschen!“.
3. Frage: Wer oder was kann mir bei der Umsetzung meiner Ziele behilflich sein?
Mach dich auf die Suche nach Eigenschaften und Stärken, über die du bereits verfügst oder die du dir aneignen möchtest, weil sie dir auf deinem Weg zum Ziel helfen können. Frag auch deine Mitmenschen, was sie an dir schätzen.
Überleg dir mögliche Vorgehensweisen, die dich deinen Zielen näher bringen. Binde Mitschüler, Eltern, Lehrer ein, wenn dich ihre Unterstützung motiviert.
4. Frage: Welchen Nutzen habe ich von meinem „neuen“ Lernverhalten? Was muss ich dafür aufgeben?
Mach dir klar, worauf du verzichten musst (z. B. einen Teil deiner Freizeit), wenn du deine Ziele konsequent verfolgst. So gewinnst du ein realistisches Bild. Mögliche Hindernisse lassen sich schon im Voraus erkennen und du kannst dir Strategien zu ihrer Überwindung überlegen.
5. Frage: Welchen ersten kleinen Veränderungsschritt will ich ab morgen in meinem Lernalltag umsetzen?
Nimm dir nicht alles gleich auf einmal vor. Eingefahrene Gewohnheiten zu verändern, kostet Kraft und braucht seine Zeit. Vielleicht startest du mit einer leichten Aufgabe. Hast du schnell Erfolg bei der Umsetzung, motiviert dich das zum Weitermachen.
Wenn du alle Fragen zu deiner eigenen Zufriedenheit beantwortet hast, kannst du das Zeugnis mit gutem Gewissen beiseitelegen. Es hat seinen Zweck erst einmal erfüllt!
TIPP: Mach das Ganze schriftlich, dann hast du den Kopf hinterher für andere Dinge frei. Außerdem hast du dann ein Schriftstück für deine Eltern in der Hand, das gut gemeinte Ratschläge vollkommen überflüssig macht!
Viel Spaß beim Nachdenken und gutes Gelingen beim Ausprobieren in deinem Lernalltag wünschen dir deine Lerncoaches von Lerncoaching-Deutschland!
Dieser Beitrag wurde von Astrid Rückert verfasst, Partnerin von Lerncoaching-Deutschland und als Lerncoach in Osterby bei Eckernförde/Schleswig-Holstein tätig.